Zerstörung der Vergangenheit

Die Zerstörung der Vergangenheit, oder vielmehr die jenes sozialen Mechanismus, der die Gegenwartserfahrung mit derjenigen früherer Generationen verknüpft, ist eines der charakteristischen und unheimlichsten Phäomene des späten 20. Jhrdts.


Die meisten jungen Menschen am Ende dieses Jhrdts. wachsen in einer Art permanenter Gegenwart auf, der jegliche organische Verbindung zur Vergangenheit ihrer eigenen Lebenszeit fehlt.
Das läßt Historiker – deren Aufgabe es ist, in Erinnerung zu rufen, was andere vergessen haben – am Ende des zweiten Jahrtausends noch wichtiger werden als je zuvor. Und deshalb müssen sie auch mehr als nur Chronisten, Erinnerer und Materialsammler sein, obgleich auch dies nach wie vor zu ihren unerläßlichen Aufgaben gehört.

Aus: Eric J. Hobsbawm, Das Zeitalter der Extreme